Armut: Wird die Armutsschere zur Axt die teilt?

Noch nie zuvor gab es so viel Privatvermögen wie heute und auf der anderen Seite waren noch nie so viele Menschen verschuldet wie heute. Die Spanne zwischen Arm und Reich wird immer größer. Die Politik brüstet sich mit dem Wohlstand, der auch dank ihrer Arbeit erreicht wurde, was hilft aber all dieser Wohlstand, wenn er sich auf immer weniger Menschen verteilt?

Die reichsten 10 Prozent in Deutschland verfügen über ein durchschnittliches Vermögen von 1,15 Millionen Euro. Die ärmsten 20 Prozent hingegen haben im Durchschnitt 4.600 Euro Schulden. Im Schnitt beträgt das Vermögen der deutschen Haushalt 195.200 Euro. Der Mittelwert liegt tiefer, viel tiefer, bei 51.400 Euro. Ein Indiz dafür, dass das Vermögen ungleich verteilt ist. Bei 73 Prozent der deutschen Haushalte liegt das Nettovermögen unter dem Durchschnitt.

Viel dramatischer ist, dass 25 Prozent der Erwachsenen über keine finanziellen Rücklagen verfügt. Damit befinden sie sich auf einem Grat, der jederzeit in die Armut führen kann, wenn unvorhergesehene Ausgaben das Haushaltsbudget belasten. Rasch können hohe Arztrechnungen, Reparatur- oder Anschaffungskosten dazu führen, dass man in die Armut abrutscht.

Die aktuelle Armutsquote liegt in Deutschland bei 15,2 Prozent und war nie zuvor so hoch. Naturgemäß sind Erwerbslose und Alleinerziehende besonders stark davon betroffen.

Wie auch im Süden Europas kann sich Deutschland auch in Hinblick auf den Arbeitsmarkt nicht dem Trend entziehen. Gut oder fair bezahlte Vollzeitjobs werden immer seltener und so sieht das künftige Normalarbeitsverhältnis heute anders aus, als noch vor Jahren. Unter den H4-Empfängern befinden sich immer mehr Akademiker.

Aber auch im guten alten Österreich gab es schon bessere Zeiten. Die Arbeitslosenquote steigt rapide an, zugegeben noch ist man immer noch Musterschüler, aber die Richtung ist vorgegeben. Gleichzeitig darf man auf eine Inflationsrate von 2,3 Prozent blicken. Ein Anstieg der angetrieben wird von steigenden Nahrungsmittelpreisen. Dadurch werden vor allem Menschen mit geringerem Einkommen deutlich mehr belastet, denn prozentuell betrachtet müssen sie einen größeren Teil ihres Budgets für Essen ausgeben.

Die steigende Anzahl derer, die in Armut leben müssen ist eine Konsequenz aus der Entwicklung, die unaufhaltsam Land auf und Land ab rollt, die andere ist, dass Neid, Hass und Unmut die Gesellschaft teilen. Eine sich spreizende Armutsschere verkommt auf kurz oder lang zur Axt einer jeden Gesellschaft.

Ausgaben von Reich und Arm (private Haushalte)

 

Angaben auf Basis der durchschnittlichen Haushaltsausgaben (Quelle: Statistik Austria, 2009/2010):

  Die unteren 10 %

Ø Haushaltsausgaben

€ 860,–/Monat

Die oberen 10 %

Ø Haushaltsausgaben

€ 6.850,–/Monat

Ernährung, nicht alkohol. Getränke 153,08 582,85
Alkoholische Getränke und Tabak 31,82 123,30
Bekleidung 24,94 486,35
Wohnen, Energie 370,66 1.116,55
Wohnungsausstattung 36,12 623,35
Gesundheit 24,94 253,45
Verkehr 36,12 1.513,85
Kommunikation 13,76 89,05
Freizeit, Sport, Hobby 62,78 972,70
Bildung 2,58 82,20
Café, Restaurant 38,70 411,00
Sonstige Ausgaben 64,50 595,95

 

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4 Gedanken zu “Armut: Wird die Armutsschere zur Axt die teilt?

  1. Zunächst zu Ihrem Blogtitel: Es gibt kein Volksvermögen – es gibt nur den Besitz des Einzelnen, außer Sie gehen davon aus, dass das Leben des Bürgers dem Staat gehört.

    Mit Verlaub, die aufgeführten selektiven Prozentanteile, welche sich wiederum auf Teile von Statistiken beziehen, die sich wiederum auf willkürliche Definitionen von Armut und Wohlstand beziehen, eignen sich kaum als Argumente.

    „Armut“ in den westlichen Ländern lässt sich kaum mit Armut in z.B. dem Tschad vergleichen.

    Ich sehe keine weiteren Syllogismen, oder Lösungen, nur die Symptome , welche Emotionen gegen wohlhabende oder Erfolgreiche auslösen. Sie können die Menschheit doch nicht einfach in zwei Einkommensspalten aufteilen.

    Nette Grüße

  2. Danke für den Kommentar.

    Naturgemäß gibt es verschiedene Meinungen, wenngleich ich glaube, dass wir soweit nicht voneinander entfernt sind.

    Die Menschheit auf der Welt lässt sich natürlich nicht in zwei Einkommensspalten teilen. Denn Arm und Reich – geht aus den Artikeln hervor – ist in Europa etwas anderes, als in Afrika. Vor allem in Bezug auf Armut.

    Es liegt mir fern zu hetzen. Vielmehr geht es mir darum zu sensibilisieren. Das heutige System bevorzugt die Wohlhabenden, dafür kann der einzelne Wohlhabende nichts.

    Bezüglich Volksvermögen könnten wir an dieser Stelle eine lange Diskussion führen. Wie ich glaube aus ihren Zeilen herauszulesen, sehen sie die Definition dessen sehr eng gefasst. In meiner Definition sehe ich dieses jedoch sehr weit gefasst.

    Wie dem auch sei, Hetze gegen einzelne Gruppen, Richtungen oder was auch immer liegt mir fern. Ich denke, dass dies auch aus allen Artikeln und Kommentaren ersichtlich ist. Kritik bringe ich lediglich gegen das System selbst an. Alles andere wäre Polarisierung und tatsächlich Hetze. Beides ist nicht angebracht, nicht richtig und schürt Hass.

    Liebe Grüße

    • Guten Tag und Danke für Ihre ausgewogene Antwort.
      Die Ungleichheiten sind wohl jedem klar, der nicht in einer Bergöhle wohnt. Sicher wollen Sie nicht hetzen, aber solche Zahlenvergleiche verleiten zu Vereinfachungen. Es führt zu der fehlerhaften Kausalität, dass die „Armen arm sind, weil die Reichen reich sind“. Glauben SIe wirklich, dass die € 20.000, die eine Führungskraft bekommt, sonst bei den Armen in Bangladesh gelandet wären? Die „Bienenfabel“ von Mandeville fliefert weitere Anektoden über die Verteilung des Reichtums.

      So komplex wie die Strukturen und Vorgänge in der Gesellschaftsgeschichte sind, die zu solchen Entwicklungen führen, so komplex sind auch die Maßnahmen zu Veränderungen.
      Es gilt zu vermeiden, dass Gier und Maßlosigkeit als eine Erfindung des modernen Kapitalismus gesehen wird – schon Thales schrieb über die Chrematistik.
      De Tocqueville hat sich intensiv mit dem Problem der Armut befasst. „Memoir on Pauperism“ ist eine erleuchtende und absolute Standard-Lektüre zum Thema Armut. Es sind nur 70 Seiten und lässt sich bestimmt irgendwo runterladen. Für einen kurzen Überblick: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2012/11/19/230/

      Wenn man darüber spekuliert, was die Gesellschaft für die Armen tun sollte, akzeptiert man die kollektivistische Prämisse, dass die Leben der Bürger dem Staat “gehören” und dass dieser das Recht hat über sie zu verfügen, ihre Ziele für sie zu setzen und die Verteilung ihrer Mühen zu planen. Kein Mensch kann überredet werden, etwas freiwillig aufzugeben; deshalb sind alle sozialistischen Strukturen ebenfalls mit Zwang und Gewalt verbunden. Das bedarf dann schon der Hörigkeit des einzelnen auf ein System. Der Einzelne kann aber keine
      persönlichen Rechte auf eine andere Entität übertragen, ohne seine Moral oder ethischen Werte teilweise oder vollständig aufzugeben.

      Aus meiner Sicht, sind staatlicher Interventionismus, Regularien und Wertemonopolismus die Hauptansatzpunkte.
      Alles Gute

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