2014 – ein Jahr im Zeichen der Krisen – Wort des Jahres: Ohnmacht

Betrachtet man das Jahr 2014, dann erkennt man, dass es ein Jahr der Krisen und Kriege war/ist. Wenn die Krisen nicht von Menschenhand gemacht waren, dann lieferte die Natur oder eine andere höhere Gewalt ihren Beitrag. Vielleicht ist das Wort „Ohnmacht“ das Wort für das Jahr 2014. Denn Macht- und Hilflosigkeit prägten nicht selten das Geschehen.

Wort des Jahres: Ohnmacht

Ohnmacht beschreibt die Macht- und Hilflosigkeit in einer Situation. Bei vielen Krisen und Katastrophen im Jahr 2014 war der Mensch, die Welt von Ohnmacht geprägt und umgeben. Egal, ob man dabei die Krim-Krise betrachtet, den Zwist mit Russland, den Terror des IS oder aber auch Ebola im Westen von Afrika.

Naher Osten vor dem Zerfall

Zugegeben, viele Länder im Nahen Osten sind auf dem „Reisbrett“ und auch aus den Vorstellungen des Westens entstanden. Jihadisten sind diejenigen, die die aktuelle Krisenlage im Nahen Osten mit Freude betrachten. Heute sind viele einst gezogene Grenzen nicht mehr relevant. ISS und andere gewaltbereite Gruppen ziehen durch den Nahen Osten und setzen die Region in Angst und Schrecken. Der Nahe Osten erfährt derzeit eine Krise von nie dagewesenem Ausmaß.

Syrien, das seit vielen Jahren im Bürgerkrieg versinkt und nun Objekt der Begierde des IS ist, liegt, wie auch der Irak am Boden. Staaten, die man als gescheitert bezeichnen kann und muss. Sunniten, Alawiten, Kurden und Schiiten bekämpfen sich in einem nie dagewesenen Ausmaß. Der Westen muss ohnmächtig zur Kenntnis nehmen, dass die Geburtshilfe eben jener Staaten gescheitert ist und die unschuldigen Bürger jener Regionen zu hunderttausenden auf der Flucht sind. Sie müssen Qualen und Leiden eines nie dagewesenen Ausmaßes erleben.

Jordanien und der Libanon trotzen der Krise noch. Aber wie lange noch? Sie sind derweil, wie auch die Türkei, zum Flüchtlingslager der Region verkommen. Und in Mitten des Krisenherdes scheint, wie ein Dorn im Herzen, der Staat Israel all dem noch zu trotzen. Aber die Gefahren des aktuellen Nah Ost Konfliktes sind nicht zu unterschätzen, denn sie sind geschichtlich bedingt und haben tiefe Wurzeln.

Not, Armut, Gewaltbereitschaft und Terror herrschen in der Region vor. Hilfsorganisationen erreichen die Grenzen des Möglichen, des Leistbaren.

Militanter Islamismus in Afrika

Wer meint, dass Jihadismus beziehungsweise militanter Islamismus ein Phänomen des Nahen Osten sind, der liegt falsch. Der Radikalismus hat auch das Herz Afrikas erreicht. Und auch hier sind Staats- und Regierungschef, wie auch der Westen ohnmächtig. Rat- und hilflos. Boko Haram treibt im Norden Nigerias sein Unwesen und es hat auch hier den Anschein, dass der Staat dem Treiben hilflos ausgesetzt ist.

Anfänglich ging die Gewalt von der Sahara und Somalia aus. Damals ging man noch davon aus, dass diese Art des gewaltbereiten Islamismus in Afrika keine Chance habe. Mit dieser Einschätzung, so sieht man heute, lagen alle Experten falsch. Denn der Jihadismus breitet sich wie eine grassierende Seuche auf dem Kontinent aus. Kenia, Nigeria, Uganda, Kongo-Kinshasa und Zentralafrika liegen im Bann dieser militanten Islamisten beziehungsweise anderer radikaler Gruppierungen, die sich im Fahrwasser eben dieser tummeln.

Totgesagte leben länger – die Rückkehr der Taliban

In Afghanistan und den umliegenden Ländereien fassen die Taliban wieder Fuß. War man eigentlich der Meinung, dass man dieses Phänomen endgültig in die Schranken gewiesen hat, so scheinen diese heute vor neuer Kraft geradezu zu strotzen. In Kabul haben sie bereits die Ausländer und die Regierungsbeamten vertrieben. Die Arbeit für Hilfsorganisationen wird immer schwieriger und Schritt für Schritt müssen sich diese aus der dringend notwendigen Hilfsarbeit zurückziehen. Auch in Afghanistan scheint die Regierung dem Treiben der Taliban ohnmächtig zusehen zu müssen. Der Süden Afghanistans ist bereits in den Händen der Taliban.

Erneut werden unter der Führung der Taliban Mädchenschulen geschlossen, der Mohnanbau extrem ausgebaut und die Ausbildungslager in den Bergen gefördert.

Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa

Die Krisenherde um Europa herum lassen den Zustrom an Flüchtlingen nicht abreißen. Mit Booten überqueren sie das Mittelmeer mit waghalsigen Fahrten und lassen sich in der Hoffnung auf eine Zukunft an die Küsten Europas spülen. Damit lassen sie Europa und deren Politiker und Gesellschaft an ihre Grenzen stoßen. Ein spürbarer Rechtsruck geht auch in Europa umher. Rechtspopulistische Parteien sind im Aufwind und es scheint, dass die schwer erarbeiteten Werte, wie auch Menschlichkeit, auf die Europa stolz ist, in den Hintergrund rücken.

2014 fanden über 200.000 Flüchtlinge den Weg über das Meer nach Europa. Für über 3400 Menschen war die Fahrt über das Mittelmeer tödlich. Italien und Spanien mobilisieren, denn sie sind die erste Anlaufstation auf dem Weg in die Freiheit. Die europäische Politik ist derweil ohnmächtig und findet kein Rezept, um mit dieser Situation umzugehen. Lösungen werden lediglich von rechter Hand geboten und diese sind wiederum weit von den guten Werten der europäischen Welt entfernt. Aber sie finden Anklang. Immer größeren. Eine spürbarer Rechtsruck und eine zunehmende Gewaltbereitschaft ist nicht von der Hand zu weisen.

Vielleicht wäre der einst sichere „eiserne“ Vorhang auch für das Mittelmeer eine Lösung? Zumindest würde sie dem Weltbild der rechts orientierten entsprechen. Die Kirche positioniert sich DANK dem neuen Papst deutlich, sie bekennt Farbe. Farbe, die ihr längst abhanden gekommen schien. Das tut angesichts der zunehmenden Radikalisierung gut und wirkt wie Balsam auf den Wunden.

Sturmtief aus dem Osten

Die Ostpolitik des Westens muss spätestens seit der Krim- und Ukraine Krise eingestehen, dass sie gescheitert ist. Die einstige Sowjetunion schien bereits Geschichte zu sein, doch Geschichte wiederholt sich und es scheint, als hätte Brüderchen Frost im Osten Europas wieder seinen Platz gefunden beziehungsweise eingenommen.

Der „Eiserne“ Vorhang, der ebenfalls Geschichte schien, ist heute wieder präsent. Nicht nur Dank Putin. Denn für ein Kreuz benötigt es bekanntlich immer zwei Balken. Europa ist vor der eigenen Haustüre gescheitert. Auch in den anderen östlichen Nachbarstaaten nimmt die Radikalisierung und der Rechtsruck zu. Viktor Orbán in Ungarn lebt es mit seiner Politik unmittelbar im guten, alten Europa vor. Und wer meint, dieses Phänomen gilt nur für den Osten, der irrt, denn die Rechtspopulisten gewinnen in ganz Europa an Boden.

Putin nützt die Ohnmacht des Westens. Ohne große Kriege vereint er, was mühsam getrennt wurde. Im eigenen Land erhält er noch Zuspruch dafür.

Ebola – Ohnmacht und Angst

Terror und Kriege sind von Menschenhand gemacht. Und auch an Ebola ist vielleicht der Mensch selbst nicht so unbeteiligt, wie man es meinen könnte. Mit seiner Selbstsicherheit und beinahe schöpferischen Art greift er in die Natur ein und möchte diese sich Untertan machen. Und doch zeigt die Natur oder wer anders dem Menschen dabei seine Grenzen auf. Um zu akzeptieren, dass wir eben nicht allmächtig sind, müssen wir unsere Grenzen bei Seuchen wie Ebola oder Naturkatastrophen erkennen, erspüren.

Am 26. Dezember 2013 wurde der erste Fall von Ebola in Westafrika bekannt. Was anfänglich als nichts Außergewöhnliches erschien, versetzte schon bald die Welt in Angst und Schrecken. Einmal mehr griff Ohnmacht um sich.

In der ersten Panik wurden 1,4 Millionen Ebola Fälle prognostiziert. Dank internationaler Hilfe, die einmal mehr Ärzte ohne Grenzen anführte, konnte man dieses Ausmaß verhindern. Ebola traf mit Liberia und Sierra Leone zwei Staaten, die ohnehin am Rande stehen. Insgesamt wurden bislang 19.000 Krankheitsfälle gezählt. 7.500 Menschen starben an Ebola.

Ebola traf die Seele der Afrikaner. Denn um sie zu kontrollieren und ihrer Herr zu werden, bedarf es der Isolation. Ebola hat der afrikanischen Gesellschaft einen Stich ins Herz versetzt. Es trifft sie mitten im Leben. Die Spuren von Ebola werden auch noch in den nächsten Generationen zu sehen sein, denn viele Kinder wurden ihren Eltern und Geschwistern beraubt.

Ein Jahr der Ohnmacht

2014 war ein Jahr der Ohnmacht. Der Westen, der sich für maßgeblich hielt, musste anerkennen, dass er in vielen Bereichen mit seiner Strategie und Politik versagt hat. In der Zusammenarbeit mit Putin fand man keine adäquaten Mittel. Putin selbst verstand es, den Zorn von benachteiligten Gruppen in der Ukraine für sich zu nützen. Die Zweiteilung des Landes – in extrem reich und extrem arm – war sein Schlüssel zum Erfolg.

Ein Schlüssel, den sich auch der IS zu Eigen macht. Mit Erfolg begeistert er sogar Jugendliche aus dem Westen für seine Sache. Eine Sache, die Tod bringend ist. Eine Sache, die nur einem dient, dem Machthunger einiger weniger. Derweil sich der Westen über den Zulauf zum IS wundert, akquiriert dieser fleißig weiter. Das skurrile dabei, er schlägt den Westen mit seinen Waffen. Er ist modern und im Netz der Netze und damit präsent bei den Jugendlichen. Wie und warum er punkten kann? Weil er Jugendlichen, die am Rande der Gesellschaft stehen Ansehen und Anerkennung zu Teil werden lässt. Etwas, das sie andern Orts häufig vermissen und verloren haben. Und ja, der Westen hat einen maßgeblichen Anteil an der Entstehung des IS und all den anderen radikalen Gruppierungen. Er war es, der in dieser Region das Saatgut ausgetragen hat.

In vielen Bereichen und Belangen hat sich der Westen selbst als das Maß aller Dinge gesehen. Selbstherrlich und mit tiefer Überzeugung hat er versucht westliche Haltungen und Rahmenbedingungen auf andere Regionen und Kulturen umzumünzen. Im Schlepptau hatte er nicht selten „Heuschrecken“, die die Länder plünderten und plündern. Die Politik des Westens ist gescheitert und dies muss er spätestens nach dem Jahr 2014 eingestehen. Blickt man auf den Süden Europas oder aber direkt in die USA, dann erkennt man, dass das am Kapital orientierte System vielen Wohlstand bringt, aber ebenso viele an den Rand der Gesellschaft drängt. Es teilt die Gesellschaft. Es entzweit sie. Es ist ein System, das Hass, Unmut und Unzufriedenheit fördert und fordert. Es ist das Saatgut für eine Ernte, die niemand einfahren möchte.

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