Wenn die Ehe und das Grab zu teuer sind …

Armut spüren nicht nur die Hilfsorganisationen, die sicher derer annehmen durch zunehmenden Andrang, sondern Armut wird zusehends auch in vielen anderen Bereichen sicht-/spürbar. Immer mehr sozial am Rand lebende, müssen aufgrund des lieben Geldes auf das „Ja“-Wort verzichten und immer öfters wird Armut auch auf dem Friedhof augenscheinlich.

Wenn die letzte Ehre zu teuer ist …

Der Tod, das Sterben sollte eigentlich die letzte Ehrerbietung sein. Allerdings kostet diese letzte Ehrerbietung eine schöne Stange Geld. Der Grabstein, das Bestattungsunternehmen und selbst der schöne Platz auf dem Friedhof kosten liebes Geld und so erreicht der Abschied nicht selten Dimensionen von 5-6.000,– Euro. Immer mehr Hinterbliebene können sich diese Kosten nicht mehr leisten und so muss die öffentliche Hand einspringen. Welche Kosten dabei übernommen werden, ist offen.

Seit 2006 hat sich die Zahl derer, die beim Abschied auf Hilfe angewiesen sind, nahezu verdoppelt. 2006 mussten noch 13.800 Menschen auf die Hilfe zurückgreifen, 2013 waren es bereits 23.500. Die Kosten hierfür sind nicht unerheblich.

Gerade in größeren Städten sind Sozialbeerdigungen nicht selten und wer mit offenen Augen Friedhöfe besucht, der kann nicht selten die Sozialgräber ausmachen. Nicht selten wird der Grabstein durch eine Tafel ersetzt, die an den Hinterbliebenen erinnert. Alleine in Berlin (Karlshorst) sind 75 der 800 Bestattungen pro Jahr Sozialbestattungen.

Kein Wunder, dass Versicherungen ein Geschäft wittern und die Begräbnisvorsorge ins Programm aufgenommen haben. Für einen heute 43 alten Mann, der für seine Bestattung rund 6.000,– Euro auf die Seite legen möchte, um seine Hinterbliebenen zu entlasten, der muss pro Monat immerhin 17,50 Euro berappen. Ein Betrag, den er, ausgehend davon, dass er keine Verzinsung erhält, in rund 28 ½ Jahren selbst ansparen könnte. Allerdings könnte er natürlich laut Sterbetafel auch vorher …

Wenn das liebe Geld für die Ehe fehlt und die Liebe…

80,5 Prozent, denen die Notstandshilfe mangels Notlage gestrichen wird, sind Frauen. Viele werden hier sagen, wenn diese gestrichen wird, dann hat das seine lieben Gründe. Hat es auch, denn gerade in diesen Fällen ist es nicht selten der Fall, dass die Partner per Gesetz zu viel verdienen. Anders ausgedrückt, als Single beziehungsweise Allererziehende würden sie Notstandshilfe erhalten. Allerdings ist zu viel verdienen relativ. Denn in diesem Fall bedeutet dies lediglich, dass das Einkommen des Partners größer ist, als jener Betrag den die Frau vom AMS erhalten würde. In Zahlen ausgedrückt: würde die Frau 900 Euro Notstandshilfe beziehen und der Mann 1.600,– netto pro Monat verdienen, dann würde die Nostandshilfe gestrichen werden. Quasi ein Anreiz dafür, um das Single-Dasein zu fördern.

Die durchschnittliche Höhe der Nostandshilfe beläuft sich in Österreich auf 634,– Euro. Der Empfänger der Nostandshilfe muss nachweisen, dass er aktiv auf Arbeitssuche ist.

2.500 Euro Familieneinkommen sind für eine 4-köpfige Familie nicht zu viel, wenn man Miete und Lebenshaltungskosten berücksichtigt. 1.600 Euro sind eindeutig zu wenig, um eine Familie im guten alten Europa über Wasser halten zu können.

Das System nötigt Frauen, die von Armut gefährdet sind, sich nicht offiziell zu ihrer Liebe zu bekennen. Und wirklich verübeln kann man es ihnen angesichts der Faktenlage nicht.

Es scheint, als ob das Sterben und die Liebe im guten alten Europa immer weniger eine Angelegenheit des Herzens, sondern viel mehr des Geldes sind …

Wenn man zudem die Entwicklungen in Griechenland – ausgelöst durch die Finanzkrise – betrachtet und sich bewusst wird, dass dort viele Familien ihre Kinder in Kinderheime geben müssen, da sie sich diese nicht mehr leisten können, dann sei die Frage erlaubt, wie gut es um den Wohlstand in Europa tatsächlich bestellt ist.

Es läuft, das zumindest ist offensichtlich, einiges falsch im guten alten Europa und das nicht erst seit gestern.

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