Armes Finanzsystem, arme Politik und arme Bürger…

Verzweifelt versucht die europäische Notenbank die Wirtschaft mit einer „Geldschwemme“ in Schwung zu bringen. Banken sollen damit angehalten werden, Kredite großzügiger zu vergeben. Doch diese sind trotzig und „horten“ das Geld. Preisblasen im Bereich von Immobilien und Aktien sind die Folge. Kreditvergabe kann scheinbar nicht angeordnet oder besser auf Rezept ausgestellt werden. Die Folge: die verordnete Arznei zeigt keine Wirkung! Die Keime sind resistent.

Die ultraexpansive Geldpolitik trägt nicht nur keine Früchte, sondern sie hat – wie beinahe jedes Medikament – Nebenwirkungen. Die Zinsen an den Kapitalmärkten wurden gedrückt und dadurch ist eine Verzerrung auf den Märkten für Vermögenswerten entstanden. Kein Wunder, denn das Kapital hat Wachstumshunger und sucht sich jene Häfen, die noch Zinsen und Vermehrung versprechen.

Derweil steht der Süden Europas Kopf. Getrieben von Armut und Not sind Regierungen genötigt im Sinne ihrer Auftraggeber zu handeln. Griechenland ist das beste Beispiel dafür. Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit haben die Bevölkerung auf die Straße getrieben. Die Folgen sind bekannt. Griechenland ist der erste Staat im schönen Europa, der die Finger in die Wunden des guten alten Europas drückt. Notgedrungen. Viele Probleme sind hausgemacht, andere verordnet, aber eines ist Gewiss, der Mann auf der Straße kann nichts für die Rechnung, die er heute begleichen soll. Ein Sinn-, nein ein Spiegelbild für viele Länder auf der Welt. Eine Brutstätte für viel schlimmeres, als wir heute in Griechenland erleben. So gesehen, darf das gute alte Europa zufrieden sein und nach wie vor darauf hoffen, dass der Weg der Mitte gefunden wird. Andernfalls …

Blickwechsel. In Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt von 2006 bis 2013 um 17,5 % gewachsen. Das ist beachtlich und verspricht zumindest auf dem Papier eine gewisse Sicherheit. Wenn man dabei die Entwicklung der Armutsquote, die in der gleichen Zeit um 10,7 % gestiegen ist, ausblendet. Armut ist in Deutschland angekommen. Das dramatische an der Entwicklung ist, dass die Armut insbesondere in den letzten Jahren überproportional zugenommen hat. 12,5 Millionen Menschen leben in Deutschland unter der Armutsschwelle.

Die Armutsgefährdung ist regional sehr unterschiedlich. Die Länder mit den fünf höchsten Armutsquoten sind:

  • Bremen (24,6 %)
  • Meck.-Vorpommern (23,6 %)
  • Berlin (21,4 %)
  • Sachsen-Anhalt (20,9 %)
  • Sachsen (18,8 %)

Im Gegensatz zu Europa ist der Süden in Deutschland am besten gestellt. Die Armutsquote liegt in Bayern bei 11,3 % und damit am niedrigsten in ganz Deutschland.

Die Schätzungen der Caritas Europa gehen davon aus, dass 24,5 % der Europäer von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind. 2013 waren das 123 Millionen EU-Bürger. Am stärksten betroffen sind Menschen in Rumänien (40,4 %) und Griechenland (35,1 %). Laut Bericht der Caritas lebt in Europa jeder zehnte Europäer sogar in absoluter Armut.

Dramatisch an der Entwicklung ist, dass vor allem auch die Armut bei Kindern und Jugendlichen stark zugenommen hat. Auch in dieser Statistik stehen Rumänien und Griechenland an der tragischen Spitze der Statistik.

Schauplatzwechsel. Seit sieben Jahren dauert die Krise in Italien an. Betroffen sind einmal mehr Familien, Kinder und Jugendliche. Seit 2007 hat sich die der Prozentsatz der Armen verdoppelt. Wohnungen werden im Winter teilweise nicht mehr beheizt und Hilfsorganisationen werden gestürmt.

Zurück zum Anfang. Die ultraexpansive Geldpolitik zeigt keine Auswirkungen beim kleinen Mann. Sollte sich der Erfolg nicht einstellen, dann sind weitere Krisen- und Brandherde vorprogrammiert. Vielleicht, ohne dies in aller Konsequenz zu hinterfragen und zu durchleuchten, wäre ein Grexit ein neuer Ansatz, allerdings nur dann, wenn beide Seiten Hand in Hand gehen und sich der möglichen Tragweite vollends bewusst sind. Dies von den agierenden Personen zu erwarten, ist gleichzusetzen mit dem Glauben an ein Wunder. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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