„Christ“ HEUTE – ein armer Kranker

Europa heftet sich auf die Fahnen christlich, liberal und Welt offen zu sein. Ein Vorbild an Entwicklung, Kultur und Menschlichkeit. Christen eben. Wenn man tiefer blickt oder hinter die Fassaden blickt, dann könnte man in Versuchung geraten, zu meinen, dass man einem Etikettenschwindel zum Opfer gefallen ist. Einem Marketinggag, ausgearbeitet von einer der genialen Werbe-/Marketingagenturen.

Sie meinen, das ist etwas zu hart ausgedrückt? Mag sein und doch offenbart die Flüchtlingskatastrophe ein Spiegelbild, das dem eingangs beschriebenen so gar nicht ähnelt. Und wer sich danach auf die Suche nach eben jenem Bild macht, der findet nicht selten Bilder, die nicht die Marketingbotschaft untermauern, sondern jene, die das Bild der Tragödie im Mittelmeer unterstreichen. Der Christ von heute ist ein zurückhaltender, vorsichtiger und bewahrender Mensch. Er möchte „Gutes“ erhalten und nicht gefährden.

Afrika leidet Not. Afrika hungert und wird ausgeblutet. Europa schaut dezent zur Seite. Ja, hilft bei der Bekämpfung von Ebola, aber es schaut bei allen anderen Tragödien zur Seite. Man lässt Terroristen wie Boko Haram und andere gewähren. Ohnmächtig und hilflos schaut man dem schaurigen Treiben zu. Auch die Tragödien in Libyen oder in Syrien werden ausgeblendet. Man ist sich derer bewusst. Man weiß, dass sie jeder Menschlichkeit, ja Christlichkeit, entbehren und doch verharren wir eisern und abwartend. Wehrlose, unschuldige Menschen werden geschunden, gequält, gegeißelt und ermordet. Tragödien der Unmenschlichkeit spielen sich vor den Toren Europas ab.

Die ärmsten der Armen helfen sich gegenseitig. Notdürftig und Minimalistisch, aber sie helfen. Die Nachbarländer vieler terrorisierter Staaten versinken in den Flüchtlingsströmen und doch ist es ihnen nicht zu viel und nicht selten sind es nicht einmal Christen, die da helfen.

Islamische Staaten wie das kleine Jordanien oder auch die nicht selten in der Kritik stehende Türkei helfen. Sie haben die Pforten für den vermeintlich Nächsten geöffnet. Wendet man den Blick und sieht vor die Tore Europas, dann kreuzen Kriegs- oder Polizeischiffe die Meere. Die Türen sind verschlossen. Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Wer in der Bibel nach Stellen sucht, die uns bei unserem Tun unterstützen beziehungsweise Rückhalt geben, der sucht vergeblich. Denn der Christ an sich ist ein mitfühlender, teilender und herzlicher Mensch. Er möchte nicht Reichtum und Wohlstand um jeden Preis bewahren. Er möchte helfen.

Vermutlich hat sich auch das Christentum, wie viele andere Lehren entwickelt. Sich der Zeit, dem Zeitgeist angepasst und so erklärt es sich vielleicht, dass der Christ von HEUTE nicht selten auch auf Marketing setzt. Ist das verwerflich?

Ja, wir haben genügend eigene Sorgen in Europa. Mag sein und doch macht es Italien, keiner jener Länder in Europa, die in Geld schwimmen, vor. Mit ihrer letztjährigen Aktion „Mare nostrum“ haben sie mehr investiert in die Rettung von Flüchtlingen, als es das gesamte Europa heute tut. Für ihre Christlichkeit werden sie jedoch nicht von den anderen Christen in Europa belohnt und unterstützt, im Gegenteil, man lässt sie alleine, wie die um Hilfe schreienden Menschen in Afrika und wundert sich, dass sie ihre eigene Heimat – egal unter welcher Gefahr – verlassen wollen. Der Christ von HEUTE ist ein armer Kranker. Ein Blinder, ein Tauber.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s