Die Ohn(Un)macht Europas – Flüchtlingsdrama

Das Flüchtlingsdrama scheint Europa zu spalten. Europa ist im Aufruhr. Europa kommt an seine Leistungsgrenzen. Europa hat Angst um den errungenen Wohlstand. Das Flüchtlingsdrama rund um Syrien teilt Europa. Wenn man so will in rechts und links. Wie uns die Finanzkrise schon gelehrt hat, ist die gute alte Mitte vom Aussterben bedroht. So scheint es sich auch in Sachen Flüchtlingsproblematik zu verhalten.

Zahlen und Fakten rund um das Flüchtlingsthema

Die Zahl der Syrien Flüchtlinge liegt mittlerweile über vier Millionen. Rund 7,6 Millionen Menschen sind innerhalb Syriens zusätzlich auf der Flucht! Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Lage vor Ort schier aussichtlos erscheint. Das einstige Paradies im Nahen Osten versinkt seit vielen Jahren in Krieg und Armut. Ausgehend vom Aufbegehren des Volkes gegen das Assad Regime, ist der Krieg heute längst ein Schlacht- und Minenfeld der unterschiedlichsten Akteure. Millionen Menschen, die ohnehin schon mit Armut zu kämpfen hatten, rennen und kämpfen heute um das nackte Überleben. Und eines sei hier vorgehoben, sie sind diejenigen, die am allerwenigsten dafür können.

Das entscheidende gleich vorweg, nur die wenigsten der Flüchtlinge wollen nach Europa! Die meisten von Ihnen möchten in der Region bleiben! Und dies, obwohl sich die Bedingungen vor Ort täglich verschlimmern und bereits heute Katastrophal sind. Der Winter naht und es ist mit einer Tragödie zu rechnen, wenn der Westen nicht reagiert und endlich sinnvolle Maßnahmen setzt.

Europa ist in Panik. Unverständlich, wenn man die Zahlen der Flüchtlingsströme kennt und analysiert! 45 % aller Flüchtlinge nimmt die Türkei auf! Und zum Unterschied zu Österreich, fungiert die Türkei hier nicht vorwiegend als Transitland, sondern tatsächlich als ein Land, das Menschen in höchster Not hilft. Das ist menschlich, das ist christlich, aber vor allem vorbildlich.

Land Anzahl Flüchtlinge (Stand 09/2015)
Türkei 1.938.999
Libanon 1.113.941
Jordanien 629.245
Europa 348.540
….davon in Deutschland 98.783
….davon in Schweden     64.685
….davon in Serbien/Kosovo     49.446
….davon in Ungarn     18.777
….davon in Österreich     18.647

Es ist an dieser Stelle nicht notwendig die Wirtschaftskraft der einzelnen Länder, die helfen, zu skizzieren. Länder wie Jordanien, Türkei und der Libanon machen es vor, was die Menschlichkeit in der Situation Not gebietet.

Wenn man die Einwohnerzahl mit der Anzahl der Flüchtlinge vergleicht, ergibt sich ein noch deutlicheres Bild.

Land Einwohner vs. Flüchtlinge
Libanon 5
Jorandien 11
Türkei 41
Schweden 149
Österreich 460
Ungarn 528
Deutschland 821
Schweiz 996
England 9.189
Frankreich 9.962
Italien 28.350

 

Die Finanzierung der riesigen Anzahl der Flüchtlinge in den unmittelbaren Ländern stellt mittlerweile ein riesiges Problem dar. Laut UNHCR werden im Jahr 2015 über 5,5 Milliarden US-Dollar benötigt. Bis Juni 2015 wurde jedoch erst ein Viertel der benötigten Mittel zur Verfügung gestellt. Damit fehlt es an Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung und Mitteln geeignete Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Und dies trotz der nahenden bitteren Wintermonate.

Europa kann, so vermitteln es die Medien, die Flüchtlingsströme nicht bewältigen. Die Politik verharrt in Ohnmacht und Hilflosigkeit. Nicht auszudenken, wie es angesichts der Fakten den unmittelbaren Nachbarländern ergeht. Ein Flüchtling in Jordanien lebt in der Regel unter der Armutsgrenze und muss mit weniger als 3,20 US-Dollar pro Tag auskommen!

Frau Merkel hat die Zeichen der Zeit erkannt und agiert menschlich, ja christlich. Und dennoch erntet sie dafür zusehends alles andere als Lob in Europa. Europa hat Angst! Angst um seinen Wohlstand. Eine Angst, die Länder wie Türkei, Libanon oder Jordanien nicht zu kennen scheinen. Liegt es am Wohlstand und Reichtum, der die Herzen der Menschen vielleicht verschließt? Oder ist es das Diktat des Kapitals das erwirtschaftete zu erhalten? Fakt ist, Europa agiert im Vergleich zu anderen Ländern mehr als bescheiden!

Wenn Menschen die Flucht und den vermeintlichen Tod auf offener See in Kauf nehmen, dann herrscht vor Ort – und das steht außer Frage – mehr als nur eine Krise. Wer hier von Wirtschaftsflüchtlingen spricht ist nicht nur kein Christ, sondern dem fehlt es auch an Herz und Menschlichkeit. Aber vor allem auch am Willen die Augen zu öffnen.

Frau Merkel und man möge mich dafür beschimpfen, hat die Lage erkannt und agiert. Sie hat die Türen der Menschlichkeit geöffnet. Und ja, sie hat Recht, wenn Europa mit der vergleichsweise geringen Anzahl an Flüchtlingen und Menschen in Not nicht zu Gange kommt, dann ist das eine Bankrotterklärung an die Menschlichkeit, die Christlichkeit und die Errungenschaften der letzten Jahre.

Die Gefahr, dass sich Europa teilt besteht. Ohne Frage. Und ja, das Flüchtlingsdrama ist vielleicht die erste richtige Bewährungsprobe für das gute alte Europa, oder besser gesagt die EU. Eine Bewährungsprobe der Menschlichkeit und Nächstenliebe. Bestehen wir diese Probe nicht, dann schwimmen wir im Topf der vielen anderen von Wohlstand verwöhnten Menschen, die gerne ihr Hab und Gut vor dem wirklich Bedürftigen beschützen. Europa würde, wenn es die Tore verschließt, seine so hoch gehaltenen Werte verraten und verkaufen. Europas Moral wäre mehr als nur fraglich.

Kritiker, Skeptiker und Wohlstands-Behüter werden mahnend den Zeigefinger erheben und die unterschiedliche Kultur und Religion in den Mittelpunkt stellen. Sie vergessen dabei, dass sich Gesellschaften in den letzten Jahrhunderten ständig gewandelt haben und sich nicht selten durch Zuwanderung und Bevölkerungsströme neuen Wohlstand erarbeitet haben. Wenn wir die Teilung Europas vermeiden möchten, dann müssen wir in der Frage der Syrienkrise endlich Farbe bekennen! Wir müssen unseren Werten entsprechend agieren und handeln und wie in allen Dingen, gibt es hier nicht nur Lösungsweg. Entscheidend ist jedoch, dass wir die Menschlichkeit und unsere Werte voran stellen, wenn denn diese nicht vom schnöden Mammon geprägt sind.

 

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