Zäune, Massenlager, Terror und Weihnachten

Die Ohnmacht der europäischen Politik trägt ihre unrühmlichen Blüten. Die französische, nein, die europäische Seele wurde einmal mehr ins Herz getroffen. Bei den gestrigen Anschlägen in Paris starben 127 Menschen. Zu lange haben die Europäer im Nichtstun verharrt und müssen nun eine Rechnung begleichen, für die viele nichts können. Jahrelang hat man im Nahen Osten zugesehen und Kräfte gewähren lassen, die die Menschen dort gepeinigt, gequält und getötet haben. Aber Tausende wurden getötet.

Wer bei seiner Flucht den Tod in den Kauf nimmt, der flieht zweifelsohne aus Todesangst. Angela Merkel hat dies erkannt und sich rühmlich auf europäische Werte besonnen. Nämlich Menschlichkeit, Christlichkeit und Nächstenliebe! Werte, die man kaum zu finden glaubt in einer vom Kapital geprägten Gesellschaft. Für ihr Handeln steht sie heute am Pranger. Die Krise im Nahen Osten ist längst keine Krise mehr der arabischen Halbinsel. Sie ist eine internationale Krise. Eine Krise, die von der hohen Politik Europas, der USA und anderen entwickelten Staaten nicht verhindert wurde, sondern nur betrachtet wurde. Eine Krise, die seit vielen Jahren vorherrscht und eine gesamte Region zum größten Armen- und Kriegsviertel der Welt verkommen ließ.

Angela Merkel hat sich an unseren Werten orientiert. Politiker diesen Formats sind eine aussterbende Spezies. Leider. Hätten wir mehr von diesem Format und wäre Europa das geeinte Europa das es vorgibt zu sein, dann hätten wir viele Probleme heute nicht zu tragen.

Fakt ist, Europa entzweit sich und die IS nutzt dies in der Manier des Cleveren aus. Ja, durch die unkontrollierten Flüchtlingsströme steht außer Frage, dass auch Menschen nach Europa kommen, die keine guten Absichten hegen. Aber deshalb unsere Werte zu vergessen, wäre falsch. Deshalb die Grenzen dicht zu machen und Menschen die in Not sind auszusperren ist falsch. Menschen, die seit Jahren gepeinigt und gequält werden und viele Freunde und Angehörige auf dem trostlosen Weg des Krieges verloren haben.

Es ist unsere Pflicht, auch wenn diese angesichts der Pariser Tragödie schmerzlich ist, Menschen zu helfen. Schutz zu gewähren und das Überleben zu sichern. Wozu sonst sollte unser erreichter Wohlstand gut sein? Ein Wohlstand, der nicht selten auf Kosten anderer erwirtschaftet wurde. Fleiß und andere Tugenden sollen hier nicht in den Schatten gestellt werden, denn diese braucht es unweigerlich, um etwas zu erreichen. Aber unser System ist ein System für jene, die Funktionieren und etwas haben. Alle anderen Fallen durch den Rost. Man verzeihe an dieser Stelle die Pauschalierung.

Ja, die Gefahr des Terrors hat sich merklich erhöht. Sie liegt wie ein Damoklesschwert über uns. Wenn wir aber jetzt nicht die richtigen Antworten liefern, dann sind wir ausgeliefert. Denn einig ist sich Europa nicht.

Zäune und Waffengewalt sind die falsche Antwort. Auch hier steht Frau Merkel ihren Mann. Menschlichkeit und das gemeinsame Schultern sind gefragt. Nicht nur bei der Unterstützung der Flüchtlinge, sondern vor allem auch im Kampf gegen den Terror.

Fakt ist, dass die Politik wie gelähmt geschehen lässt. Sie verharrt. Sie erstarrt. Sie lässt geschehen. Sie überlässt das Feld jenen, die nur allzu gern Akteure im Rampenlicht sind. Assad, Erdogan und Putin bestimmen den Takt. Einen Takt, der gefühlt, nichts Gutes verheißt und Gefahren, erhebliche Gefahren, für Europa mit sich bringt. Wenn Europa nicht endlich handelt, dann ist der sich reduzierende Wohlstand unsere kleinste Sorge!

Europa hat eine Krise vor der eigenen Haustüre und versucht die Türe einfach zu zu halten. Eine Taktik, wie man unschwer erkennen kann, die nicht zielführend ist.

Weihnachten steht vor der Türe – das Fest der Liebe und Zuversicht. Dies kann es aber nur dann werden, wenn wir an unseren Werten festhalten und geeint gegen alle anderen Kräfte antreten und die Stirn bieten.

Es versteht sich von selbst, dass wir heute das Problem, aufgrund des langen Zuwartens, vielschichtig bekämpfen und lösen müssen. Im Vordergrund steht die humanitäre Hilfe vor Ort im Nahen Osten, aber auch hier in Europa. Europa muss zeigen, dass es zu seinen Werten steht und seinen Wohlstand nicht nur für sich behält. Ja, es ist an der Zeit etwas zurückzugeben.

Aber wir müssen auch jenen Kräften Einhalt bieten, die die Welt mit ihrem Terror in Angst und Schrecken versetzen. Und ja, auch wenn wir als Europäer Erdogans Politik nicht gut heißen, wir benötigen jeden Partner, der dazu bereit ist, für das Gute einzutreten. Europa braucht Verbündete. Tyrannen wir Assad ausgeschlossen. Vielleicht brauchen wir heute kein geeintes Europa, sondern vielmehr eine Einheit der Wertevertreter. Und ja, vielleicht müssen wir dazu auch oftmals über unseren Schatten springen. Aber die Gefahr, die sich Europa aussetzt, wenn es in einen Winterschlaf verfällt, ist latent, aber vor allem groß.

Es braucht Politiker mit Rückgrat. Gerne würde ich schreiben richtige Männer, aber in diesem Fall ist es eine Frau. Frau Angela Merkel. Wir brauchen mehr davon, wenn wir dem Übel, das wir selbst zugelassen haben, ein Ende setzen wollen. Und ja, wir müssen uns damit abfinden, dass wir unseren Wohlstand teilen müssen. Sind wir dazu nicht bereit, werden wir vielleicht Symptome bekämpfen, aber das Problem nicht an der Wurzel behandeln.

Europa muss seinen Werten treu bleiben, diese verteidigen, aber vor allem vorleben und endlich aus dem Dornröschenschlaf erwachen und agieren! Zu viele unschuldige Menschen sind unserer Unzulänglichkeit zum Opfer gefallen! Zu viele!

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