Verlierer der Wirtschaftskrise – die Kinder

Die Wirtschafts-/Finanzkrise hat das gute, alte Europa auf den Kopf gestellt. Dass dem so ist, wird immer offensichtlicher und offenbart sich nun auch in den jüngsten Erhebungen von UNICEF. Dem zur Folge sollen seit 2008 2,6 Millionen Kinder in den reichsten Länder der Welt unter die Armutsgrenze gefallen sein. In den sogenannten entwickelten Ländern leben laut UNICEF nun 76,5 Millionen Kinder in Armut.

Die rapid steigenden Staatsschulden und eng damit verbunden die steigenden Ausgaben im Staatshaushalt, haben vieler Orts dazu geführt, dass die Regierungen im Sozialsystem Einsparungen vorgenommen haben. Dass dies nicht ohne Auswirkungen bleibt, zeigt das Beispiel Griechenland. Durch die Finanzkrise und die Reduzierung der Sozialausgaben leben heute 60 Prozent der Griechen in Armut. Darunter befinden sich vor allem auch Kinder. Die langfristigen Folgen in vieler Hinsicht müssen nicht erörtert werden, sondern liegen auf der Hand.

Insbesondere für die ohnehin schwachen und Schutz bedürftigen bedarf es eines starken Sicherheitsnetzes. Ein Netz, das vor allem auch in Krisenzeiten hält und nicht „löchrig“ wie Käse aus der Schweiz wird. Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit liegen heute als Damoklesschwert über den sogenannten entwickelten Ländern. Die Sicherheitsnetze und Konzepte haben versagt.

Laut UNICEF stieg die Kinderarmut in 23 von 41 Ländern. Irland, Island, Kroatien, Lettland und Griechenland sind die erschreckenden Negativbeispiele. Hier stieg die Rate seit 2008 um über 50 Prozent an. Wohlgemerkt wir sprechen hier über Europa.

Gerade in Griechenland, um es bildlich auszudrücken, ist die Axt am Baum. Seit 2012 fiel der Median der Haushaltseinkommen von Familien auf den Stand von 1998. Damit verlieren Griechen 14 Jahre Einkommensanstieg. Auch wenn es uns mancher Experte einreden möchte, dass die Krise vorbei ist, so ist sie es längst nicht. Aber auch in anderen Ländern hat sich das Haushaltseinkommen durchaus ähnlich entwickelt.

Besonders hart getroffen wurden die 15-24 jährigen. Die sogenannte NEET-Rate (in keiner Ausbildung, keinem Training oder kein Job) stieg laut UNICEF in vielen Ländern dramatisch an. In der EU gehörten dieser Kategorie 2013 7,5 Millionen junge Menschen an.  Nochmals: wir sprechen hier vom entwickelten Europa. Ein Europa, das offensichtlich seine Zukunft – die Jungendlichen und Kinder – aus den Augen verloren hat.

Lediglich Australien, Chile, Finnland, Norwegen, Polen und Slowakei konnten die Kinderarmut senken.

Der UNICEF Bericht macht vor allem eines deutlich: entscheidend ist, wie die Staaten und Regierungen auf Krisen reagieren. Greifen sie aus dem Spargedanken heraus auch in die sozialen Sicherheitsnetze ein, dann hat dies weitreichende und fatale Folgen. Folgen, die vor allem langfristigen Charakter haben und deren Auswirkungen in vollem Umfang noch nicht abgeschätzt werden können. Es steht jedoch außer Frage, dass gerade die Kinderarmut und die Jugendarbeitslosigkeit nicht nur ein soziales Desaster, wenn nicht sogar eine Bankrotterklärung, sind, sondern vor allem auch gefährlich sind.

Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form die Regierungen in den sogenannten entwickelten Ländern reagieren werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Politiker nicht nur den Fokus auf das Finanzsystem legen, sondern vielmehr sich darauf besinnen, die Zukunft zu gestalten und vor allem zu ermöglichen. Wer heute kritisch die Entwicklungen betrachtet, könnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass derzeit Politik für die Reichen und Starken gemacht wird.

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